Lehrgangstagebuch von huladoll, die bei Eurowings den Flugbegleiterlehrgang erfolgreich absolviert hat:



BAe 146-300 der Eurowings. Die BAe146 ist das Vorgängermodell des Avrojet.Alles in Allem war die Lehrgangszeit echt eine superschöne Zeit - Sehr anstrengend aber auch sehr spaßig.
Der Lehrgang dauert 4,5 Wochen plus noch mal ca. +/- 42 Einweisungsflüge (variieren individuell, was auch völlig o.k. ist), die so ca. 3 Wochen in Anspruch nehmen. Die Lehrgangszeit ist gesplittet in einen Schulungsteil die man im EW-Verwaltungsgebäude in DTM verbringt und in den Rescue & Safety Teil, der auf der Flugzeugattrappe beim Cityline Schulungszentrum in Troisdorf stattfindet.
Man wird auf ein Flugzeugmuster geschult (derzeit entweder dem Canadair Regional Jet 100/200 -kurz CRJ- oder der British Aerospace -kurz BAe- 146. Nach ungefähr 3 oder 4 Monaten bekommt man dann einen weiteren Kurs, über ca. 3 Tage, bei dem man dann das Rating für das andere Flugzeugmuster erhält.

Also zu allererst: Die Leute sind alle total genial... Vom Kurs über Trainer bis hin zu den Mitarbeitern, die einen bei EW so alle über den Weg laufen.. Da herrscht wirklich eine tolle Atmosphäre und ich kann für mich sagen, dass ich auf jeden Fall die richtige Airline gewählt habe..
Besonders gut fand ich, das vor jeder Schulung erst einmal Seminarvereinbarungen getroffen wurde, denn ein respektvoller Umgang, seitens der Lehrgangsteilnehmer und auch seitens der Trainer, steht an erster Stelle. Außerdem wurde vereinzelt auch an einer Flipchart notiert, was man vom jeweiligen Training erwartet und was man lernen möchte, ebenso aber auch, was die Trainer voraussetzen). Nach den Schulungen wird auch immer Feedback gegeben, so das ein durchgehender Verbesserungsprozess stattfindet, von dem die zukünfigen Lehrgangsteilnehmer natürlich auch profitieren.

Die Schulung:
Wir hatten in der ersten Woche schon ganz viele Schulungen und auch schon Tests.. hat aber richtig viel Spaß gemacht und es wird dort echt sehr viel vermittelt. Die Tests sind alle wirklich zu schaffen.. vorausgesetzt natürlich man passt die ganze Zeit auf und macht mit. Dangerous Goods fanden alle etwas schwer, zumal es viel ungewohnter Stoff in kurzer Zeit ist.. aber dennoch zu schaffen.
Gleich am ersten Tag wurde auch schon die Uniform anprobiert (Rock, Hose, Blazer, Weste, Blusen, Mantel, Handschuhe, Gürtel und Strickjacke bzw. Pullunder), um erst mal herauszufinden welches die passende Größe ist. Dann werden die einzelnen Größen bestellt und ein paar Tage später, wird dann alles noch mal vor einer Schneiderin anprobiert und ggfs. zur Änderung abgesteckt. Die Anprobe ist im Übrigen sehr ungewohnt, aber nach eine paar Minuten und ‘nem kurzen Blick in den Spiegel fühlt man sich echt drin wohl ist auch ein klein wenig stolz und freut sich schon darauf, die bald jeden Tag anziehen zu dürfen/müssen ;-) .
Die erste Woche war echt schon sehr anstrengend (vor allem wenn man es nicht mehr gewohnt ist, den ganzen Tag in einem „Klassenraum“ zu verbringen). Jedoch noch um einiges einfacher als das Rescue & Safety Training in Köln-Troisdorf (das Mock-Up ist nämlich bei der Lufthansa Cityline), wo es nach einem Tag Pause hinging. Trotz der Anstrengung konnten wir‘s aber alle kaum erwarten..

R+S
2 Wochen R+S Training sind echt hart. Sehr viel Stoff, der innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden muss.. Besonders schlimm war es, weil uns auch Kursteilnehmer verlassen mussten und so haben wir nicht nur viel gelacht, sondern auch geweint. Schon komisch, wie sehr einem wildfremde Menschen in so kurzer Zeit ans Herz wachsen können.

Das Rescue + Safety Training selbst besteht aus Theorie und Praxis. Zuerst wird der Stoff erarbeitet und gründlich besprochen und dann im Mock-Up durchgespielt. Das sind unheimlich viele Dinge, die man in kürzester Zeit lernen muss. Gerade ein normaler Flugablauf der eigentlich recht simpel ist, ist für Neueinsteiger echt komplex, vielleicht aber auch weil man mit so vielen Informationen bombardiert wird und eine Menge Memory Items in den Kopf reinmüssen. Wir haben dann nicht nur Abends alleine auf den Zimmern gelernt, sondern haben in der Gruppe nochmal Flugabläufe durchgespielt, Ansagen geübt und die einzelnen Notfall-Procedures durchgespielt. Außerdem haben wir immer wieder gegenseitig Kommandos abgefragt, die wirklich sitzen müssen.. da konnte es dann auch schon mal sein, dass man bei einem anderen Kursteilnehmer anrief, um ad hoc ein Kommando abzufragen.

Auf dem Mockup war es super witzig, aber in den Anzügen und den komischen Socken kam man sich echt ziemlich dämlich vor. Allerdings waren wir dort auch alle immer sehr angespannt, da man sich einer permanenten Prüfungssituation ausgesetzt fühlt und natürlich auch während des ganzen Lehrgangs unter Beobachtung steht. Aber gerade hier zeigt sich, wer in heiklen und lebensgefährlichen Situationen einen kühlen Kopf behält, wer Entscheidungen treffen kann die Sinn machen und wer wie reagiert (was nicht heißt, das man keine Fehler machen durfte).
Im Nachhinein verstehe jetzt auch, warum soviel Wert auf Englisch gelegt wird.. Guten Tag und Tschüß sagen und vielleicht noch so'n bissel Service-Blabla kriegt man schon hin, aber das Flight Safety Manual (quasi die Flight Attendant-Bibel und wichtigster FB-Begleiter) ist komplett auf Englisch (außer First Aid). Da könnte der eine oder andere schon ordentlich Probleme bekommen..
Während des Lehrgangs gibt es auch Feedbackgespräche, bei dem man sowohl Lob und natürlich auch Kritik erhält, man aber so die Chance hat, sich verbessern und an sich zu arbeiten - dieser Job ist für viele ja wirklich was völlig anderes - als ich musste noch nie ein Büro evakuieren ;-) . Natürlich kann und soll man sich auch dazu äußern und auch die Trainer sind darauf bedacht, sich zu verbessern und selbst immer offen für Lob und Kritik.
Besonders viel Spaß gemacht hat uns das Feuerlöschen - für alle erst sehr ungewohnt, aber nach der Praxiserprobung fühlt man sich schon recht sicher). Ein Flug ohne Zwischenfall war auf jeden Fall für alle nach diesem Training schon fast unvorstellbar, weil wir dermaßen auf Emergency getrimmt wurden.
Ein weiteres Highlight war die Flugzeugbegehung. Wir fuhren alle morgens zu unserem Stations-Flughafen und uns wurden die Crewräumlichkeiten gezeigt.. und dann ging es endlich raus aufs Vorfeld. Ein Pilot erklärte uns das komplette Flugzeug (besonders spannend war‘s übrigens im Cockpit, aus dem ich eigentlich gar nicht mehr raus wollte...). Außerdem übten wir Preflight und Sicherheitschecks und konnten uns schon mal etwas an das Flugzeug gewöhnen, was ja dann doch etwas größer war als die kleine Attrappe. Was für ein toller Tag!
Der R+S Teil schließt übrigens mit einem schriftlichem Test ab. Dort wird nochmal alles abgefragt, was man in den vergangenen 2 Wochen gelernt hat und dauert dann auch dementsprechend.

Nach R+S gab es dann CRM „Crew Resource Management“, bei dem man noch so ein paar Tipps mitbekommt, zum Umgang miteinander. (Viele Flugzeugunfälle lassen sich auf eine unglückliche Verkettung von Umständen zurückführen, die man mit einem gewissen Blick und einer entsprechenden Kommunkationsbereitschaft innerhalb der Crew vielleicht anders abgelaufen wären - deshalb ist das auch sehr wichtig und bedeutet nicht, wie ich mich meinen Mitmenschen verhalte.. grundlegende soziale Kompetenzen bringt man ja eh schon in diesem Beruf mit). Außerdem geht man noch mit allen in ein wirklich sehr gutes Restaurant Essen- gerade nach dem R+S Training eine super „Belohnung“.

Zurück in DTM gab es weitere Schulungen.. wie z.B. First Aid, was wirklich Spaß gemacht hat (bis auf die Geschichte mit der Geburt.. *schüttel*), aber meines Erachtens eigentlich viel zu kurz war. In jedem Fall muss man sich selber zu Hause noch mal hinsetzen und büffeln!
Cosmetics war nicht so der Hit, Aviation Security und Unruly war richtig klasse, Service war auch lustig und sehr aufschlussreich (wie soll man das bloß alles so schnell schaffen??) und auch die restlichen Schulungen waren super-interessant.. Am letzten Tag, der Graduation, mussten wir dann alle in unserer neuen Uniform erscheinen.. die Arbeitspläne waren schon fertig und uns wurde klar, dass es jetzt richtig Ernst werden würde.. für viele ein Traum, auf den man lange hingearbeitet hat. Jetzt war ich ein Flight Attendant.. naja zumindest im LBA-Ausweis und auf meinem Zertifikat.. und wir bekamen unsere Schwingen.. echt ein komisches Gefühl.
Außerdem wurde uns klar, dass wir uns dann doch sehr vermissen würden, denn leider werden wir das erste Jahr nicht zusammen fliegen.. erst danach werden wir Senior Cabin Attendant, welches man sein muss, um im Team „vorne“ zu fliegen).

Canadair Jet der Eurowings in der ursprünglichen Farbgebung.Die Einweisungsflüge

Vor den Einweisungsflügen war ich unheimlich aufgeregt und wirklich sehr gespannt. Am ersten Tag kam ich viel zu früh in Crewraum und kam mir auch echt dämlich vor.. aber mein erster Einweiser war echt klasse.. ich hatte wirklich sehr viel Spaß und es war nicht so streng, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auf mich warteten ca. 40 Supervision Flüge, bei denen ich mir erst mal alles ganz in Ruhe ansehen konnte - was ich aber gar nicht wollte und gleich von Anfang an mit angepackt habe. Von Flug zu Flug kam dann mehr dazu und man musste sich auch steigern (alles wird in einem Ordner festgehalten, der einen während der gesamten Supervision-Zeit begleitet).

Aber man wird an alles herangeführt, bis man es dann wirklich beherrscht

Während meiner Einweisungszeit hatte ich auch alle möglichen Situationen.. (natürlich auch solche die man im AC gehabt hat und schon dort für den einen oder anderen ein Problem dagestellt haben..) Naja, besser jetzt als später.. Nach einem halben Jahr müssen wir auf dem CRJ auch alleine in der Kabine fliegen (und im Notfall auch schon früher). Das ist glaube ich bei uns schon etwas "krasser" (wenn man das so mit Erzählungen von anderen vergleicht, denn alleine die Verantwortung für die ganze Kabine zu tragen ist schon heftig, was aber in keinem Fall heißen soll (!!), das ich die Ausbildung über die von anderen Airlines stellen will.. nur ist es eben ein Unterschied, ob ich mit mehreren, schon viel erfahreren Kollegen in der Kabine arbeite oder ganz alleine alle Passagiere betreuen und alle Entscheidungen alleine (bzw. in Absprache mit dem Cockpit, denn die sind zum Glück ja auch noch da - und die auch wirklich alle echt Klasse sind!) treffen muss und auch im Notfall entsprechend reagiere.. und es kann ja auch immer sein, das man selber zum Medical wird und umkippt oder mal einen vor den Latz bekommt).
Am Ende der Supervision steht ein Check-Flug, bei dem man alle Aufgaben von nur einer CA übernimmt. Der Einweiser macht dann nur noch Notizen und beobachtet und stellt nochmal allerhand Fragen die sowohl R+S als auch First Aid betreffen. Vor dem Flug muss man übrigens auch das Briefing übernehmen, Formulare ausfüllen, die Passagierliste und den Serviceablauf besprechen und ein R+S und ein First Aid Thema durchsprechen. Bei meinem Check-Flug, der eher überraschend kam, war ich sehr nervös, es hat aber alles geklappt.. und ich war hinterher wirklich sehr erleichtert.. Endlich fertig - jetzt kommt der Alltag und ich freue mich schon auf das neue Flugzeugmuster, bei dem ich dann meine Kurskolleginnen wiedersehe...

Alles in Allem war es eine wunderschöne Zeit.. und was mir während des Lehrgangs zuwenig an Service war, lernt man in der Praxis wirklich einfach am Besten.
Was mir in den ersten Tagen besonders und sehr positiv aufgefallen ist, und sich auch bis jetzt durchzog, ist das bei EW wirklich für alles gesorgt ist und man als Mitarbeiter das Gefühl hat, nicht einfach nur eine Nummer zu sein. Die Airline ist nicht klein aber eben auch nicht zu groß. Es wird viel Wert auf die EW Policy gelegt und ich finde gerade in der heutigen Zeit können sie einige Unternehmen davon eine Scheibe abschneiden. Das nicht alles Gold ist was glänzt und es auch mal Sachen gibt die man persönlich nicht so toll findet, gehört dazu. Aber ich für mich bin wirklich sehr glücklich damit.
Zum Lehrgang bleibt nur zu sagen, das es wirklich eine wunderschöne Zeit war und man wirklich sehr gut auf den fliegeralltag vorbereitet wird. Und so haben sich meine wirklich kritischen Bedenken auch mal alleine auf dem CRJ fliegen zu müssen, sich auch in Luft aufgelöst.
 

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