Was passiert, wenn man zwanzig junge Menschen wochenlang gemeinsam einsperrt um sie zum Flugbegleiter auszubilden? Das Dschungel-Camp lässt grüßen :)

Hier ein Bericht eines Users zum Kurskoller ...


Ist doch auch verständlich, dass man irgendwann nicht mehr so die Böcke drauf hat. 20 Fremde zusammen gewürfelte Menschen, die man teilweise Tag und Nacht sieht/sehen muss.

Mal als Beispiel:

6.15 der Wecker klingelt, im Zimmer nebenan hört man schon die motivierte Kurskollegin unter der Dusche singen

7.00 schnell noch den Müll in die Abfallkammer bringen, auf dem Weg über den Gang begegnet einem mindestens schon 1 anderer aus dem Kurs

7.05 schnell eine vorm Hotel geraucht und auf die Kollegin gewartet, mit der man zusammen im Bus fährt. In der Zeit läuft auch schon die andere Hälfte vom Kurs an einem vorbei

7.20 an der Bushaltestelle… hier ist für den Tag schon annähernd zum ersten mal der Kurs vollzählig. Während der Busfahrt hat man dann erst mal die Gelegenheit sich in Ruhe alles zu erzählen wozu man in den letzten 24 stunden nicht gekommen ist

7.40 der ganze Tross mit den altbekannten Gesichtern zieht Richtung Schulungszentrum

8.00 schnelles Frühstück, genau wer sitzt wohl alles mit am Tisch bzw setzt sich dazu…

8.15 schnell noch ein Käffchen und vor dem Kurs in Ruhe durchatmen und eine Zigarette, weil man noch mal 5 Minuten für sich möchte, geht man mal 10 Meter weg vom Ascher und plötzlich stehen wieder sämtliche Raucher vom Kurs um einen rum, Raucher sind schließlich gesellig und finden sich überall

8.30 der Kurs geht los, jetzt sind die Türen eh erst mal zu und man hat die 20 Kollegen in geselliger Runde um sich rum

12.00 Mittagspause, der Kopf raucht schon, eine Gehirnhälfte versucht einzuordnen, was neu gelernt wurde, die andere is gedanklich schon beim nächsten Thema und parallel dazu die netten Gespräche mit –richtig- den anderen…

17.00 gemeinsamer Marsch zur Bushaltestelle, die Gespräche sind übrigens die gleichen wie Morgens und jeden Tag beliebig der Fahrtrichtung austauschbar

18.00 schnell noch einkaufen, weil’s allen so geht und der Weg der gleiche ist geht die Gruppenreise weiter…

18.15 die anderen, die nicht mitgelaufen sind, trifft man zufällig an der Kasse

19.30 schnell noch zur Waschmaschine, is ja so gesellig und irgendwer is eh schon dort

20.00 für sich selbst zu Kochen lohnt nicht und mit dem einen Topf geht’s eh nicht und die Nachbarin nach ihrem Topf fragen ohne sie einzuladen, auch schlecht

21.00 spontane Ansammlung mehrer Leute

22.00 auf dem Weg über den Gang zurück trifft man dann die altbekannten Gesichter über die man sich so freut, weil man sie so lange nicht gesehen hat

23.00 in der letzten Stunde hat noch 3 mal das Telefon geklingelt, wann geht’s Morgen los, sag mal wie verstehst du das, was sollen wir lesen?24.00 letzte Zigarette und ab ins Bett, schnell noch nen Plausch am Ascher

…und täglich grüßt das Murmeltier

In den ersten 2 Wochen lernt man sich kennen und jeder hat viel zu erzählen, da ist auch noch alles spannend und neu. Da gehen die Themen nie aus.
ABER nach 2 Wochen Tag und Nacht zusammen, während den Pausen, der Busfahrten, in denen man um die Gespräche nicht rumkommt und alle Fragen 5 mal durchgekaut hat, wird’s schon langweilig mit der Kommunikation.
Spätestens nach 4 Wochen weiß man ja auch, wen man mehr mag und wen nicht.
Da wird es dann schon anstrengend nett zu lächeln und jaja zu sagen, wenn man zum 20ten mal die Geschichte xy von der Kollegin erzählt bekommt.
Und in der 5 Woche kennt man die Leute so in und auswendig, dass man schon genau weiß, wer was fragen wird… da beleibt man dann ganz ruhig und denkt sich …30 Minuten Busfahrt wird reichen das zu klären………

Die Kollegen können dafür ja auch nichts, denen geht’s genauso, denke eher, es liegt halt an der langen Zeit die man aufeinander sitzt…und dem Trott der jeden Tag gleich ist.
Da heißt es dann Zähne zusammenbeißen und sich Rückzugsorte suchen um mal ein bissel Zeit für sich zu haben.


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